Verkehr und Verkehrsregeln in Indien

Der Verkehr in Indien ist so verschieden zu dem unseren in Europa, dass eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen nötig sind, um das Land wieder heile zu verlassen. Das mag selsam klingen, ist aber wichtig. So sollte man im indischen Straßenverkehr keine Hände oder Arme aus dem Fenster hängen lassen. Vorbeifahrende Autos fahren so dicht, dass schwere Verletzungen entstehen können.

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Einbahnstraßen sind in Indien nicht immer als Einbahnstraßen respektiert. So kommt es durchaus häufig vor, dass in voll befahrenen Einbahnstrassen ein oder zwei Autos versuchen, umgekehrt hineinzufahren und das auch bis zum Schluss durchhalten, trotz der vielen Huperei, die ihnen entgegenkommt.

Fährt man auf der Autobahn (Fast Way, High Way...), so muss man sich nicht wundern, wenn man plötzlich drei LKW vor sich sieht, alle in einer eigenen Spur, von den jeder versucht den anderen zu überholen. Alle fahren ca. 30-50km schnell, und wenn man näher kommt, so erkennt man, dass vor diesen LKW noch weitere 20-30 LKW mit ähnlichen Überholmanövern beschäftigt sind. Und an denen muss man – wenn man selbst überholen möchte – ja auch noch vorbei.

Ein Abblendlicht gibt es in Indien nicht, bzw. es benutzt fast keiner. Was hingegen zählt ist Stärke, so dass statt des Abblendlichts zumeist das Fernlicht genutzt wird. Wer also abends auf der Landstraße unterwegs ist, wird bei einem entgegenkommenden Fahrzeug eher mit den folgenden drei Varianten rechnen müssen: durchgängig Fernlicht, Standlicht oder gar kein Licht. Das ist insbesondere für die gefährlich, die das nicht gewohnt sind, denn:

  • das Fernlicht wird eventuell erst kurz vorher angemacht, was extrem blendet und verwirrend ist. Man kann sich nicht sicher sein, um was für ein Fahrzeug es sich handelt, wenn Standlicht oder gar kein Licht genutzt wird.
  • Fernlicht wird so blenden, dass man einige Sekunden benötigt, um wieder richtig sehen zu können In Indien herrscht Linksverkehr. Das ist nun keine absolute Regel, denn das was man bei uns Geisterfahrer nennen würde, steht hier geradezu auf der Tagesordnung. Also, langsam fahren schont das eigene und entgegenkommende Leben.

Regeln wie „Rechts vor Links“ machen in Indien tatsächlich wenig Sinn. Vielmehr gilt die Regel „der Stärkere hat Vorfahrt“. In Bildern kann man sich an einigen Stellen den Verkehr wie einen riesigen Armeisenhaufen vorstellen, in dem sich jede Armeise (Auto) ihren Weg bahnt, ohne die nächste anzustoßen. Genauso läuft es in Indien, und man wird schnell bemerken, dass das besser geht, als man es vermutet hätte.

Bei Ampeln sollte man darauf achten, ob Polizisten den Verkehr regeln. Das geschieht relativ häufig und oft bemerkt man es erst, wenn die Autos hinter einem bei roter Ampel zu hupen und zu fahren beginnen.

Verkehrsberuhigungen und Schlaglöcher findet man überall. Die Straßenzustände sind katahstrophal schlecht und so ist es äußerst ratsam, langsam zu fahren. Kleine Wellen in der Straße (Verkehrsberuhigungen) werden nur selten angekündigt, und so muss ein Schnellfahrer damit rechnen, bei Gelegenheit neue Achsen kaufen zu müssen.

Gehupt wird für den ungeübten Fahrer immer. Wer aufmerksam den Straßenverkehr beobachtet, wird jedoch bemerken, dass das meiste Hupen zwar unnötig und übertrieben erscheint, aber zweckmäßig richtig eingesetzt wird: als Warnzeichen (z.B. vor Kurven), als Ankündigung (z.B. vor dem Überholen), als Aufforderung (z.B. damit der Vordermann beiseite fährt). So gibt es unzählige Stadtteile, in denen es keine hupfreie, also ruhige Sekunde gibt.