Hyderabad

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Hyderabad ist die Hauptstadt von Andhra Pradesh. Mit ihren etwa 4,5 Millionen Einwohnern stellt sie die fünftgrößte Stadt Indiens dar. Wie in kaum einer anderen Stadt, zeigt sie prunkvoll ihre vor allem islamisch geprägte Vergangenheit, die insbesondere mit Bauten aus dem 16. und 17. Jht. aufwartet. Wer Hyderabad besucht, wird das Gefühl aus 1001 Nacht mit indischer Mystik gut verbinden können, denn Islam und Hinduismus liegen hier hautnah und in besonderer Weise nebeneinander.

Secunderabad, das ursprünglich aus dem Cantonment der Briten entstanden ist, liegt im Norden von Hyderabad, auf gleicher Höhe mit dem künstlich angelegten See Hussain Sagar. Heute gehört Secunderabad zu Hyderabad und ist für Reisende insbesondere wegen des Bahnhofs von Bedeutung, denn von hieraus gehen alle großen Zugverbindungen. Der Busbahnhof befindet sich im Südosten von Hyderabad, im Stadtteil Gowiguda und der Flughafen liegt nördlich des Hussain Sagar Sees.

Mittelpunkt allen Geschehens in Hyderabad ist der Stadtteil Abids. Hier finden sich in den Gassen zwischen den einzelnen Sehenswürdigkeiten Bazare mit unzähligen Ständen und Straßenverkäufern.

Geschichte:
Hyderabad wurde im Jahre 1590 von Muhamed Quli Qutb Shah, dem 5. Herrscher der Qutb-Shah-Dynastie, gegründet. Zu dieser Zeit baute er auch die bekannte Char Minar. 1626 schließlich wurde sein Nachfolger durch Aurangzeb besiegt, der auch das nahegelegene Golconda (Festung, von der aus auch Hyderabad bis 1590 regiert wurde) bis 1687 unter seine Gewalt brachte. Die etwa 11km von Hyderabad entfernten Ruinen des Golconda Forts bilden heute eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten überhaupt.
Aurangzeb starb im Jahre 1707, was zur Folge hatte, dass der Einfluss der Moghuln auf Hyderabad immer geringer wurde und Asaf Jahi, der Vizekönig mit dem Titel "Nizam-ul-Mulk", saß als zunehmend unabhängiger Fürst immer tiefer im Sattel von Hyderabad. Die Nachfolger Nizam's hatten in der 2. Hälfte des 18. Jht. insbesondere mit den Franzosen zu kämpfen; nachdem diese jedoch geschlagen waren, wurden die Königreiche empfindlich durch Kämpfe mit den Marathen geschwächt, was sie schließlich dazu trieb, sich mit den Engländern zu verbünden. Unter ihrem Schutz stieg der 5. Nizam Ali Anfang des 20. Jht. zum wohl mächtigsten Fürsten Indiens auf. Als 1947 Indien schließlich seine Unabhängigkeit erlangte, beabsichtigte Nizam, einen unabhängigen Moslem-Staat zu gründen. Da jedoch 85% der Bevölkerung Hyderabads Hindus waren, endeten anfängliche Auseinandersetzungen mit der indischen Zentralregierung in einer Besetzung Hyderabads und der Erzwingung des Staatsanschlusses an Indien im Jahre 1948. Ali Khan Asaf Jah, der 7. Nizam, lenkte schließlich ein und 1956 wurden dann alle telugussprachigen Landesteile zusammengeschlossen.

 

Sehenswürdigkeiten:

Char Minar
1591 von Mohamed Quali Qutab Shah erbaut, steht der riesige Torbogen (53m hoch) inmitten der Altstadt Abids. Errichtet wurde der 4-türmige Bau nach Beendigung einer großen Seuche, wie es heißt. Er steht auf einem fast quadratischen Fundament und die Höhe der 4 Bögen reicht bereits 15 Meter. Im Inneren befindet sich eine Moschee. Oberhalb der Torbögen ziehen sich herrliche Arkadengänge um den gesamten Bau. Der Char Minar ist allabendlich ab 19 Uhr für 2 Stunden beleuchtet, was insbesondere für die Fotografen unter den Reisenden ein schönes Motiv bietet.

Mecca Masjid
Die wohl größte Moschee Indiens steht direkt gegenüber des Char Minar. Die unter Mohamed Quli Qutab Shah 1614 iniziierte Moschee soll bis zu 10.000 Menschen fassen können. Sie wurde schließlich zu Herrschaftszeiten von Aurangzeb im Jahre 1687 fertiggestellt, der jedoch die ursprünglichen Pläne aus Geldmangel verändern musste, was insbesondere die Minarette nicht so groß wie geplant ausfallen ließ.
Die gesamte Erscheinung wurde der Moschee in Mecca versucht nachzuempfinden. Riesige Granitblöcke wurden dazu herangeschafft. Die Gräber der Nizam Herrscher (ab 1803) befinden sich links neben der Moschee.

Birla-Mandir Tempel (Sri-Venkateshvara Tempel)
Dieser relativ neue hinduistische Tempel (in den 70er Jahren erbaut) ist dem Gott Venkateswara gewidmet. Er liegt hoch auf dem Hügel am südlichen Ende des Hussain Sagar Sees. Besonders schön ist er, weil sein weißer Marmor, der übrigens aus Rajastan kommen soll, noch bis weit zu sehen sein soll. Besonders empfehlenswert ist dieser Ort, um abends den Sonnenuntergang über Hyderabad zu beobachten. (Öffnungszeiten sind von 7-12 und von 15-21 Uhr)

Buddha Statue
Eine der größten steinernen Exemplare Buddhas lässt sich hier in Hyderabad finden. Als man 1990 nach fünf Jahren mühevoller Arbeit damit begann den über 350 Tonnen schweren Stein nach Hyderabad zu transportieren, fiel er unglücklicherweise in den Hussain Sagar See. Knappe zwei Jahre später fand sich schließlich ein Unternehmen, das den Buddha in spektakulärer Weise aus dem See hob und an seinen Bestimmungsort brachte. Dort steht die über 17 Meter hohe Statue heute in voller Pracht.

Fort Golconda
Das schon im 13. Jahrhundert - jedoch nicht in seiner heutigen Form - erwähnte Fort ist eine der größten Festungen, die Indien zu bieten hat. Die meisten der heute noch zu bewundernden Anlagenbereiche stammen jedoch aus dem 16.-17. Jahrhundert, also aus der Zeit des Qutab-Shah Imperiums.
1346 Das Hoheitsrecht über Hyderabad lag bei den Delhis. Hauptstadt ist Golconda.
1364 Die Bahmanis von Gulbarga herrschen. Hauptstadt ist Golconda.
1512 Die Zeit der Qutab-Shah-Sultane. Hauptstadt ist Golconda.
1590 Hyderabad wird Hauptstadt.
1656 Zurückgetrieben aus Hyderabad durch die Moguln wird wieder Golconda Hauptstadt.
1687 Die Festung Golconda fällt durch Verrat an dem letzten König der Qutab-Shah schließlich an Auragzeb. Etwa 7 Monate Belagerung waren diesem Verrat vorausgegangen.
1707 Aurangzeb stirbt und die Vizekönige (Nizam) übernehmen in den Folgejahren wieder das Fort Golconda, wobei Hyderabad wieder Hauptstadt wird.
Golconda ist nicht nur von einem Graben, sondern von einem Ring aus drei Mauern umgeben. Dabei gibt es auf einer Länge von etwa 11 km rund um das Fort acht Tore und knapp über 85 Bastionen.
Das höchste Gebäude der Festung stellt die Zitadelle (Balahisar) mit etwa 110 Metern Höhe dar. Eines der täglichen und unaufhörlichen Spektakel hängt jedoch mit der Akustik zusammen: wer im Grand-Portico in die Hände klatscht oder leise spricht, der wird in der Durbar-Halle noch spielend gehört. Da das jedoch bei Führungen alle probieren wollen, ist der Spaß nur halb so schön. Entschädigt wird man jedoch, wenn man abends zur Sound-&-Light Show geht, die jeweils am Mittwoch und am Sonntag stattfindet.

Gräber der Qutab-Shah-Dynastie
Die ursprünglich stark verwahrlosten Gräber der Qutab-Shah-Könige wurden später von einem Minister der Nizam's (Salar Jang I.) in mühevoller Arbeit restauriert. Heute sind alle Qutab-Shah-Könige in der etwa 1,5km nördlich der Golconda-Festung gelegenen Anlage begraben (außer Abdul Hassan Tana Shah), sowie einige andere Mitglieder der Königsfamilie. Die umgebenden Gartenanlagen werden in tadellosem Zustand gehalten und verschiedene kunstvoll bearbeitete Gräber bringen eine besondere Harmonie hinein.

Salar Jang Museum
Das Museum zeigt großflächig den Sammeleifer des Premierministers der Nizams namens Mir Yusuf Ali Khan. Die über 30.000 Ausstellungsstücke aus aller Welt umfassen Manuskripte, Gemälde, Figuren, Waffen, Zeichnungen, Schmuck, Bücher und einige Stücke von besonderem historischen Wert. Die Öffnungszeiten sind von 10-17 Uhr (außer Freitags).

Nehru-Zoo
Der sich auf über 120 Hektar erstreckende Zoo ist einer der größten Zoos Indiens. Die Löwensafari ist dabei ein besonderes Highlight.