Ghats von Varanasi & Benares

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Varanasi (auch unter den Namen Benares oder Kashi bekannt) liegt im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh am Ufer des Ganges, knapp 800 Kilometer von Indiens Hauptstadt Delhi entfernt, und gilt als älteste durchgehend bewohnte Stadt der Welt. Wer einen Einblick in die Lebendigkeit und Vielfalt hinduistischer Rituale bekommen will, ist dort genau richtig, denn Varanasi ist der heiligste Pilgerort für Hindus. Dabei konzentriert sich das religiöse Leben vor allem auf die Ghats, die steinernen Badetreppen am Westufer des Ganges. Täglich strömen bis zu 60.000 Gläubige dorthin, um im Ganges zu baden und so Seelenheil zu erlangen.

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Dem Besucher, der sich Zeit nimmt, zu verweilen und das geschäftige Treiben zu beobachten, bieten sich fremdartige und faszinierende Bilder, denn alle Rituale, von religiösen Waschungen bis hin zu Leichenverbrennungen, finden öffentlich statt. Man kann sehen, wie Yogis meditieren, Fakire ihre schmerzhaften Praktiken vollziehen, Pilger im Ganges baden oder Opfergaben darbringen und Priester heilige Formeln rezitieren. Dazwischen drängen sich Bettler, Straßenkünstler und Souvenirverkäufer, die auf gute Einnahmen hoffen. Insgesamt verfügt Varanasi über etwa achtzig Ghats, die sich über eine Länge von ca. fünf Kilometern erstrecken. Man kann sie zu Fuß oder per Boot erkunden. Da der Ganges stark verunreinigt ist, wird allerdings davon abgeraten, es den hinduistischen Pilgern gleichzutun und im Fluss zu baden.
Die Hauptattraktion in Varanasi ist das Dasaswamedh Ghat, das als das quirligste und meistbesuchte Ghat gilt. Es liegt hinter einem Shitala-Schrein und ist leicht zugänglich. Ein besonderes Erlebnis ist es, dort bei Sonnenaufgang das Morgenritual mitzuerleben, wenn Gläubige Öllampen im Ganges schwimmen lassen, oder das abendliche Ganga-Aarti-Zeremoniell mit Tänzen und Feuern zu beobachten. Ebenfalls sehr belebt ist das Assi Ghat (auch: Asi Ghat), in dessen Nähe der Fluss Assi in den Ganges mündet. Dort wird unter einem Pipal-Baum einem Lingam, das heißt einem phallusförmigen Symbol des Gottes Shiva, gehuldigt. Das Hanuman Ghat ist vor allem wegen seines Tempels im südindischen Stil sehr beliebt.
Die Leichenverbrennungsstätten befinden sich am Manikarnika Ghat, am Jalashayin Ghat und am Harishchandra Ghat. Gemäß dem hinduistischen Glauben wird ein Mensch aus dem Kreislauf der Wiedergeburten erlöst, wenn seine Leiche in Varanasi am Gangesufer verbrannt und seine Totenasche in den Ganges gestreut wird. Aus diesem Grund bemühen sich viele Hindus intensiv darum, sich und ihre Angehörigen auf diese Weise bestatten zu lassen, sodass die Leichenverbrennungsstätten in Varanasi stark frequentiert sind. In den umliegenden Altstadtstraßen sind häufig Trauerumzüge zu sehen.
Auch für Außenstehende sind die Verbrennungsstätten zugänglich. Diese unmittelbare Konfrontation mit dem Tod ist jedoch ein aufwühlendes und erschreckendes Erlebnis. Reisende sollten daher gut überlegen, ob sie sich diesen Eindrücken aussetzen wollen oder ob sie bei ihren Erkundungstouren die Verbrennungsstätten nicht lieber umgehen.