Freskentempel von Khajuraho

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Khajuraho liegt in dem nordindischen Bundesstaat Madhya Pradesh etwa 600 Kilometer südöstlich von Delhi, Indiens Hauptstadt, entfernt. Der Tempelbezirk, der etwa 25 Tempel aus gelbem Sandstein umfasst und sich über ca. 20 Quadratkilometer erstreckt, ist als UNESCO-Weltkulturerbe gelistet. Die meisten dieser Tempel sind während der Blütezeit der Chandalla-Dynasie im 10. und 11. Jahrhundert nach Christus entstanden.
Da alle Tempel im Nagara-Stil erbaut sind, ist die Gestaltung relativ ähnlich: Alle Tempel stehen auf einer Plattform, verfügen über mehrere Innenräume und umlaufende Balkone sowie ein eindrucksvolles Dach aus zahlreichen bienenkorbförmigen Türmen, die von einem markanten Hauptturm überragt werden.
Bekannt sind die Tempel von Khajuraho vor allem für ihren detailreichen Figurenschmuck, der fast die kompletten Außenfassaden bedeckt. Die bis zu einem Meter hohen, oft vollplastischen Figuren sind lebensnah und mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet. Auf ästhetische, verspielte Weise zeigen sie Gottheiten, Tiere, Pflanzen und Menschen in oft alltäglichen Situationen, beispielsweise beim Kampf, beim Schminken oder beim Schulbesuch. Dadurch vermitteln sie nicht nur einen lebhaften Eindruck vom hinduistischen Pantheon, sondern auch vom Leben zur Zeit der Chandalla-Dynastie. Doch nicht nur die Kunstfertigkeit der Steinmetzarbeiten ist es, die sowohl indische als auch ausländische Besucher anlockt, sondern auch die überraschende Freizügigkeit: Viele der Fresken zeigen erotische Darstellungen, von unbekleideten Frauen in lasziven Posen über Paare beim Liebesakt bis hin zu ungewöhnlichen sexuellen Spielarten. Die Tempelanlage von Khajuraho ist aufgeteilt in einen westlichen, einen östlichen und einen südlichen Teil. Wer wenig Zeit zum Erkunden mitbringt und nur die Highlights sehen will, sollte sich auf den westlichen Teil konzentrieren, da dort die schönsten Tempel liegen.
Als imposantester Tempel in Khajuraho gilt der um 1030 entstandene, Shiva geweihte Kandariya Mahadeva Tempel, dessen Turm über dreißig Meter hoch ist und aus mehr als achtzig kleineren Einzeltürmen besteht. Die Fassade zieren mehr als tausend plastische Skulpturen.
Eine weitere Attraktion ist der Vishnu geweihte Lakshmana-Tempel, der um 950 fertiggestellt wurde und als besterhaltener Tempel der Anlage gilt. Somit vermittelt er nicht nur einen guten Eindruck von der Frühphase der Bau- und Steinmetzkunst in Khajuraho, sondern gilt auch bestes Beispiel für diese Art der Baukunst.